Wein mit Aussicht – einfach besser

 

Kaum je schmeckt Wein besser als oben auf dem Gipfel – vor allem, wenn man ihn sich mühsam verdient hat. Und ihn mit einem prächtigen Rundblick geniessen kann. Aber: Ist er wirklich anders? Oder ist alles nur Einbildung?

 

Text: Elsbeth Hobmeier

Erschienen im Magazin WANDERN Sept/Okt. >>> www.wandern.ch

 

Der Gipfelwein verleiht uns Mut, im Pulver kurvts sich so ganz gut», singen die Bergsteiger und stossen frohgemut mit einem Roten an. Gipfelwein als Mutwein für den bevorstehenden Abstieg oder die Abfahrt – ganz so weinselig muss es ja nicht immer sein. Aber ein jeder Wanderer und eine jede Wanderin weiss: Es ist ein besonderer Moment, wenn man endlich oben beim Bergkreuz steht, das Fläschchen Wein aus dem Rucksack kramt und mit seinen Kumpanen (oder auch mit sich selber) auf die überwundenen Strapazen, die prächtige Aussicht und das ach so schöne Leben anstossen kann.

«Logisch, dass auf dem Gipfel alles besser schmeckt, schliesslich hat man es sich ja auch hart verdient», sagt Therese Luginbühl lachend, die das Büro der Rebbau Genossenschaft Spiez betreut und eine passionierte Wanderin ist. Der Spiezer Rebberg im Berner Oberland gehört zu den höchstgelegenen nördlich der Alpen, die weissen Spiezer sind frisch, frech und spritzig, die roten elegant, duftig und fruchtig. Weil die Berge so schön nah sind, liegt die Vermutung nahe, dass öfters mal ein «Spiezer» weit hinauf getragen und genossen wird.

Mit dem Jahrgang 2013 hat die Rebbau Genossenschaft sogar die passende Assemblage aus Riesling-Sylvaner und der Schweizer Neuzüchtung VB 32-7 geschaffen und sie «Gipfelstürmer» getauft. Der «Weisse mit alpinem Charme» 2013 und 2014 ist bereits ausverkauft.


Weinexperiment auf 3000 Metern

Nun kann man es ja auch einfacher haben, mit der Bahn hinauffahren und sich seinen Gipfelwein im Bergrestaurant servieren lassen. Zum Beispiel auf dem Niesen, der imposanten «Pyramide» am Thunersee. «Der Wein schmeckt hier oben einfach anders, besser», war schon der ehemalige Chefkoch Charly Moser überzeugt. Wissenschaftlich untermauern lässt sich diese These nicht. Trotzdem gibt es immer wieder Experimente mit der Höhenluft – so haben Winzer vor zwei Jahren zwei Fässer mit Müller-Thurgau (unserem Riesling-Sylvaner) auf die fast 3000 Meter hohe Zugspitze gebracht, um sie reifen zu lassen. Sie versprechen sich dank dem geringeren Luftdruck einen brillanteren Weinstil.

Sommeliers und Winzer wissen, dass ein Wein einige Wochen der Lagerung braucht, bis er sich auf die Höhe des Kellers eingestellt und sein Gleichgewicht gefunden hat. Und Fluggesellschaften servieren gerne Weine mit weniger Säure und weniger markanten Tanninen, weil sie hoch in den Lüften besser vertragen werden und besser schmecken. Dass der Wein auf 2000 Metern Höhe langsamer reift, lässt sich auch im Keller des Grimsel-Hospizes beobachten: Die dort gelagerten edlen Bordeaux sind einige Jahre später trinkreif als in ihrer Heimat.

Am Ende aber gilt wohl: Wein ist ein Naturprodukt, ein Wanderer liebt die Natur. Sonnenklar, dass er ihm auf dem Gipfel sehr viel besser scheint.

 

apropos Fluggesellschaften: Spiezer Riesling-Sylvaner und Blauburgunder ab Oktober auf allen swiss International Flügen in der First und Business-Class!
Prost!